Einzelgendiagnostik
Nicht jede Frage braucht ein Panel. Wenn ein einzelner Marker die Therapieentscheidung trägt, ist die gezielte Untersuchung schneller und schont das Material.
Ein umfassendes Panel ist nicht immer der richtige Weg. Steht eine bestimmte Substanz zur Debatte, fordert eine Zulassung den Nachweis einer definierten Alteration, oder ist die klinische Frage eng umrissen, dann ist die gezielte Einzeluntersuchung oft die bessere Wahl: schneller im Befund, sparsamer mit dem Gewebe, und ohne die Nebenbefunde, die ein breites Panel zwangsläufig mitliefert.
Wir bieten die Einzelmarker an, die therapie- oder klassifikationsrelevant sind. Welcher Weg im konkreten Fall passt — ein Einzelmarker oder doch das Panel —, klären wir mit Ihnen. Manchmal ist die ehrliche Antwort, dass ein Marker heute nicht mehr reicht und das Panel dem Patienten mehr bringt.
Prognostische und klassifizierende Marker
POLE — Endometriumkarzinom. Eine POLE-Mutation in der Exonuklease-Domäne kennzeichnet die ultramutierte, prognostisch exzellente Gruppe der molekularen Endometriumkarzinom-Klassifikation. Sie ist einer der vier Marker, die diese Tumoren in POLEmut, MMR-defizient, p53-abnorm und unspezifisch molekular (NSMP) einteilen — mit unmittelbaren Folgen für die Frage, wie intensiv adjuvant behandelt wird.
MLH1- und MGMT-Promotor. Die MLH1-Promotor-Methylierung grenzt beim MMR-Defekt das sporadische Geschehen vom Lynch-Syndrom ab. Die MGMT-Promotor-Methylierung ist beim Glioblastom prädiktiv für das Ansprechen auf Temozolomid. Komplexere Methylierungsanalysen, etwa zur ZNS-Tumorklassifikation, bieten wir nicht.
Die Wahl der Methode richtet sich nach dem Marker. Punktmutationen, Hotspots und die definierten FGFR3-Fusionen weisen wir per digitaler oder quantitativer PCR nach — empfindlich, schnell und materialsparend. Mikrosatelliteninstabilität läuft über die Fragmentlängenanalyse, POLE über die Sequenzierung, die Promotor-Methylierungen nach Bisulfit-Konvertierung per qPCR. Für mehrere prädiktive Marker bieten wir den Nachweis zusätzlich aus dem Plasma an, wo eine erneute Gewebeentnahme nicht praktikabel ist.
Für alle Einzelmarker genügt in Paraffin eingebettetes Gewebe, als Block oder als Schnitte. Die meisten Untersuchungen sind in fünf Werktagen befundet; die POLE-Sequenzierung braucht fünf bis zehn. Alle Zeiten gelten ab Eingang bei uns.
Aus Gewebe weisen wir Varianten ab einem Anteil von fünf Prozent nach. Diese Schwelle ist bewusst gewählt und nicht nur eine Frage der Empfindlichkeit: Am Schneidebrett lässt sich eine Verschleppung geringster Mengen fremder DNA nie vollständig ausschließen, die Pathologie ist kein steriler Ort. Eine Schwelle, die nicht bis an die technische Grenze getrieben wird, schützt vor genau der Fehlinterpretation, die ein zu tief angesetzter Nachweis erzeugen würde. Aus dem Plasma, wo der mutierte Anteil naturgemäß kleiner ist, liegt die validierte Grenze bei 0,1 Prozent.
Der Befund wird auf Englisch ausgestellt und von einem Facharzt für Pathologie unterschrieben. Er nennt die untersuchte Alteration, das Ergebnis und die klinische Einordnung.
Ein Hinweis, den wir offen geben: Ein negativer Einzelmarker schließt andere therapierelevante Alterationen nicht aus. Wenn die Frage breiter ist als ein Gen, ist das Panel der ehrlichere Weg — und wir sagen es Ihnen, statt einen Einzeltest nach dem anderen zu berichten.
- Loriot Y, et al. Erdafitinib or Chemotherapy in Advanced or Metastatic Urothelial Carcinoma. N Engl J Med. 2023;389(21):1961-71. PMID 37870920
Einzelmarker oder Panel?
Das hängt an der klinischen Frage und am verfügbaren Material. Rufen Sie an, wir klären es vor der Einsendung.