Umfassende Genomprofilierung
Von der fokussierten Treiberanalyse bis zum Panel mit über 500 Genen. Punktmutationen, Insertionen und Deletionen, Kopienzahlveränderungen und Fusionen aus DNA und RNA — dazu HRD, TMB und MSI in einem Durchlauf.
Wir fahren drei Stufen, und die Wahl hängt an der Fragestellung und am verfügbaren Material.
Fokussiert. Für die häufigen therapierelevanten Treiber. Schnell, materialsparend, ausreichend, wenn eine konkrete Substanz zur Debatte steht oder eine Zulassung den Nachweis einer bestimmten Alteration fordert.
Breit. Deckt die therapierelevante Landschaft solider Tumoren ab. Der Standardweg, wenn die Frage offen, aber nicht grenzenlos ist.
Umfassend. Über 500 Gene, DNA und RNA, plus die genomischen Signaturen, die selbst therapieentscheidend sind: homologe Rekombinations- defizienz, Tumormutationslast, Mikrosatelliteninstabilität — alles in einem Workflow, aus einem Materialeinsatz. Für fortgeschrittene Erkrankung nach Ausschöpfung des Standards, für seltene Entitäten, für das CUP-Syndrom.
Auch die umfassende Stufe ist ein gezieltes Panel, kein Ganzgenom. Wir führen keine Whole-Exome- oder Whole-Genome-Sequenzierung durch. Das ist eine bewusste Entscheidung: Ein kuratiertes Panel liefert zu jeder abgedeckten Alteration eine belastbare, klinisch eingeordnete Aussage, während das Ganzgenom eine Flut von Varianten ohne Handlungskonsequenz erzeugt. Wo die Frage über 500 Gene hinausgeht, sagen wir das und verweisen weiter.
Zur Einordnung der Verfahren: Die Nachweisgrenze für Punktmutationen und kleine Insertionen oder Deletionen liegt bei vier Prozent Allelfrequenz, in homopolymeren Regionen bei zehn Prozent. Die HRD-Bestimmung kombiniert pathogene BRCA1/2-Varianten mit einem Maß für genomische Instabilität. Die Konkordanz zwischen dem breiten und dem umfassenden Panel ist für pathogene und wahrscheinlich pathogene Varianten in den überlappenden Genen hoch — in einer unabhängigen Auswertung an Ovarialkarzinomen. Für die Konkordanz gegen orthogonale Methoden liegen Herstellerangaben zwischen 94 und 97 Prozent vor; diese Zahlen sind nicht unabhängig validiert.
Zwei Dinge entscheiden über Erfolg oder Ausfall: die Entkalkung und die Menge. Entkalktes Material können wir grundsätzlich verarbeiten, sofern EDTA-entkalkt wurde — EDTA schont die Nukleinsäuren, während starke Säuren sie fragmentieren. Die Fixierungsdauer ist kein Ausschlusskriterium; ob das Material trägt, zeigt sich in unserer Qualitätskontrolle.
Der Input ist überschaubar: Das fokussierte und das breite Panel arbeiten mit je 20 Nanogramm DNA und RNA, das umfassende Panel mit 30. Das ist auch aus Feinnadelbiopsien in der Regel zu gewinnen.
Für die Bestimmung der homologen Rekombinationsdefizienz braucht es einen Tumorzellgehalt von mindestens 30 Prozent. Um den müssen Sie sich aber nicht sorgen: Wir reichern den Tumoranteil durch manuelle Mikrodissektion an. Die Beurteilung, welcher Bereich des Präparats eingeht, ist unsere Aufgabe, nicht Ihre.
Der Befund wird auf Englisch ausgestellt und von einem Facharzt für Pathologie unterschrieben. Er nennt die nachgewiesenen Alterationen mit Klassifikation, die genomischen Signaturen, und ordnet sie klinisch ein.
Zwei Punkte, die wir offen benennen. Varianten unklarer Signifikanz sind bei breiten Panels die Regel, nicht die Ausnahme — je mehr Gene, desto mehr Befunde ohne Handlungskonsequenz. Wir berichten sie, aber wir gewichten sie. Und: Ein Panel findet nur, wonach es sucht. Die Abwesenheit eines Treibers im Befund ist kein Beleg für dessen Abwesenheit im Tumor.
Die Varianten klassifizieren wir nach den Leitlinien von AMP, ASCO und CAP. Die Tumormutationslast berichten wir ab einem Schwellenwert von zehn Mutationen pro Megabase. Der Wert für die homologe Rekombinationsdefizienz ist bei uns für das Ovarialkarzinom validiert; für Mamma und Prostata berichten wir ihn nicht als validierten Schwellenwert, weil die Datenlage das dort noch nicht trägt.
- Schejbel L, et al. Evaluation of the Oncomine Comprehensive Assay Plus NGS Panel and the OncoScan CNV Assay for Homologous Recombination Deficiency Detection. Mol Diagn Ther. 2025;29(1):117-27. PMID 39312094
- Vestergaard LK, et al. Oncomine Comprehensive Assay v3 vs. Oncomine Comprehensive Assay Plus. Cancers (Basel). 2021;13(20):5230. PMID 34680378
Welche Stufe für welchen Fall?
Das klären wir vorher, nicht nachdem das Material verbraucht ist. Wir sagen Ihnen auch, wenn die kleinere Stufe reicht.