EndoPredict
Genexpressionssignatur beim frühen ER-positiven, HER2-negativen Mammakarzinom. Sie beantwortet, ob die endokrine Therapie allein ausreicht oder ob eine Chemotherapie dazugehört.
Sie bekommen zwei Zahlen. Der 12-Gen Molecular Score misst die Genexpression im Tumor: acht tumorassoziierte Gene, drei Referenzgene, ein Kontrollgen für DNA-Kontamination. Der EPclin-Score rechnet Tumorgröße und Nodalstatus hinzu. Er reicht von 0 bis 7; bei 3,3 verläuft die Grenze zwischen niedrigem und hohem Risiko.
Auf den EPclin kommt es an. In den ABCSG-6/8-Kohorten — 1.702 Patientinnen, ausschließlich endokrine Therapie, im Median 9,6 Jahre nachbeobachtet — fielen 62,6 Prozent in die Niedrigrisikogruppe. Ihr Risiko für Fernmetastasen lag deutlich unter dem der Hochrisikogruppe: Hazard Ratio 4,77 (95 % KI 3,37–6,67). Bei den prämenopausalen Patientinnen einer eigenen Validierung (n = 385) betrug sie 3,58.
Klinisch interessant wird es dort, wo Score und Marker auseinandergehen. In einer Auswertung von 1.652 prospektiv untersuchten Fällen korrelierten EPclin und Ki-67 zwar signifikant. Trotzdem wurden 118 von 449 Patientinnen mit einem Ki-67 über 20 Prozent per EPclin als Niedrigrisiko eingestuft — über ein Viertel derjenigen, bei denen der konventionelle Marker zur Chemotherapie geraten hätte.
Das ist kein Widerspruch, sondern der Sinn der Sache. Der Score misst etwas, das Grading und Proliferationsindex nicht erfassen. Er ersetzt sie nicht, er kommt dazu.
Ohne Tumorgröße und Nodalstatus können wir keinen EPclin berechnen, und der molekulare Score allein trägt die Entscheidung nicht. Schicken Sie beides bitte gleich mit — sonst müssen wir nachfragen, und der Befund verzögert sich um einen Tag.
Wir stellen den Befund auf Englisch aus, unterschrieben von einem Facharzt für Pathologie. Er enthält beide Scores, den Schwellenwert und die Einordnung der Patientin.
Eine Einschränkung sagen wir lieber selbst: Für die 21-Gen- und die 70-Gen-Signatur gibt es prospektive Studien (TAILORx, MINDACT). Bei EndoPredict ist die Evidenz überwiegend prospektiv-retrospektiv. Die Kohorten sind groß und lange nachbeobachtet, aber es ist eine andere Evidenzstufe — das sollten Sie von uns erfahren und nicht selbst herausfinden müssen.
- Filipits M, et al. Prediction of Distant Recurrence Using EndoPredict Among Women with ER+, HER2- Node-Positive and Node-Negative Breast Cancer Treated with Endocrine Therapy Only. Clin Cancer Res. 2019;25(13):3865-72. PMID 31064782
- Constantinidou A, et al. Clinical Validation of EndoPredict in Pre-Menopausal Women with ER-Positive, HER2-Negative Primary Breast Cancer. Clin Cancer Res. 2022;28(20):4435-43. PMID 36043530
- Jank P, et al. Comparison of risk assessment in 1652 early ER positive, HER2 negative breast cancer in a real-world data set: classical pathological parameters vs. 12-gene molecular assay (EndoPredict). Breast Cancer Res Treat. 2022;191(2):327-33. PMID 34783927
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