Überwachen oder behandeln?
Molekulare Risikostratifikation beim neu diagnostizierten, lokalisierten Prostatakarzinom.
Gleason 3+4, T2a, PSA 8. Die Leitlinie lässt hier mehrere Wege offen: abwarten, operieren, bestrahlen, mit oder ohne Hormonentzug. Die klinischen Parameter helfen bei der Auswahl nur bedingt, denn sie beschreiben Gruppen von Männern mit ähnlichem Befund und nicht den einzelnen Patienten.
Daher die Übertherapie, für die dieses Feld bekannt ist. Wer nicht weiß, welcher Tumor harmlos bleibt, behandelt lieber. Der Preis sind Inkontinenz und erektile Dysfunktion bei Männern, deren Tumor sie vielleicht nie gestört hätte.
Der umgekehrte Fall kommt genauso vor: unauffälliges klinisches Bild, biologisch aggressiver Tumor. Wie schnell ein Karzinom proliferiert, lässt sich am Gleason-Score nicht ablesen.
Der richtige Zeitpunkt ist die Erstdiagnose, bevor die Therapie feststeht — also dann, wenn die Frage nach Abwarten oder Behandeln wirklich offen ist. Das betrifft vor allem das niedrige und das intermediäre Risiko, wo die Leitlinien mehrere Wege nebeneinander zulassen.
Keinen Sinn ergibt die Untersuchung bei bereits metastasierter Erkrankung, unter laufender Therapie oder zur Verlaufskontrolle. Sie ist prognostisch und bezieht sich auf das Material der Erstdiagnose; ein Monitoring-Verfahren ist sie nicht. Steigt der PSA-Wert, ist das ein eigener Anlass für Rebiopsie oder Bildgebung — erklären lässt er sich mit einem molekularen Score nicht.
Unklar, ob es für Ihren Patienten passt?
Rufen Sie an. Fünf Minuten am Telefon bringen mehr als jede Indikationsliste — und wenn die Untersuchung im konkreten Fall nichts beiträgt, sagen wir Ihnen das auch.